From “Subject to Citizen”? History, Identity and Minority Citizenship
The Case of the Mao and Komo of Western Ethiopia
Universität Hamburg
2019
Die Mao und Komo leben als ethnische Minderheiten in Westäthiopien. Die Perspektive ihrer erlebten Geschichte ist geprägt von Auseinandersetzungen mit dem Staat und Erfahrungen der Marginalisierung.
Schlagworte
Äthiopien, ethnische Minoritäten, Ethnizität, Sklaverei, Mao, Komo
Zusammenfassung
Against ethno-history of the Mao and Komo the present work discusses the scope of cultural citizenship and political integration in a multi-ethnic state. Minority citizenship is the vehicle to illuminate both the historical manifestation of state encroachment as well as the inter-ethnic history of the Mao and Komo. The multi-ethnic state of Ethiopia and its multicultural policy is thereby questioned from the perspective of the minorities. Their sense of history, their experience of marginalization, and their experiences with the state on the margins, are at the centre of the historical perspective of this thesis. Conceived as a chronology of the encounters between state and minority, this text is dedicated to a synchronic and diachronic perspective of the experiences of the Mao and Komo in the context of state intervention, which directly or indirectly influenced the regional inter-ethnic relations.
Interview mit Dr. Alexander Meckelburg
Arthur Höring: Du hast deinen Fokus auf Mao und Komo gelegt. Wie kam es dazu, gibt es eine Verbindung zwischen den beiden Gruppen?
Alexander Meckelburg: Als ich 2005 und 2006 in Gambella war, wollte ich mir auch einen Überblick über alle ethnischen Gruppen der Region verschaffen und einige Geschichten sammeln, um die Beziehungen zwischen den Gruppen besser zu verstehen. Ich fand damals, die Komo spielten in der gewachsenen politischen Ordnung eine überraschend geringe Rolle. Es war seinerzeit interessant zu sehen, dass einige Gruppen sogar die Identität der Komo als eigene Gruppe anzweifelten. Die Komo sind tatsächlich eine Minorität, aber genauso teilweise in andere Gruppen integriert bzw. assimiliert. Dieser Umstand hat mich einige Jahre später zurück auf die Spur dieser Minderheitsgruppe gebracht. In Benishangul-Gumuz einem weiteren Bundesland war 1995 der sogenannte Mao-Komo woreda, also ein eigener Distrikt entstanden. Das war quasi das ethnische Territorium dieser Minderheiten. Dieses territoriale Konstrukt zeigt bereit die Verbindung zwischen beiden Gruppen. Mao bezeichnet allerdings bis zu sechs omotische und nilosahranische Sprachgruppen, die außerhalb des Mao-Komo Distrikts versprengt in drei Bundesländern und teilweise im Sudan leben. Die historischen Erfahrungen dieser Gruppen mit dem Staat und wie aus verschiedenen Gruppen diese „Mao-Komo“ wurden, kann man teilweise in meiner Diss nachlesen.
Arthur Höring: Die Vielfalt der ethnischen Gruppen in Westäthiopien ist sehr groß. In welchem Maß war es für dich notwendig, bestehende Beziehungen zwischen diesen Gruppen nachzuvollziehen, um einen passenden Zugang zu den Mao und Komo zu erlangen?
Alexander Meckelburg: Diese Zusammenhänge erklären im Prinzip alles. Während Äthiopien im Ganzen etwa achtzig ethnische Gruppen beheimatet, sind es in meiner Forschungsregion sechzehn. Aber wie gesagt, nicht alle Gruppen werden als eigene Gruppen wahrgenommen und sind bis heute politisch stark marginalisiert. Deren historische Erfahrungen mit den größeren Nachbarethnien, sei es durch Marginalisierung, Assimilierung oder Integration, birgt meines Erachtens den Schlüssel zu den heutigen interethnischen Beziehungen und den Beziehungen, die Minoritäten mit dem Staat aufnehmen können. Eine These meiner Arbeit ist, dass Staatsbürgerschaft in Äthiopien eine territoriale und historische Komponente hat. Diese Komponenten hängen aber vom lokalen Machtgefüge ab und werden durch Mehrheitsgruppen mitbestimmt.
Arthur Höring: Äthiopische oder, etwas breiter gefasst, afrikanische Geschichte nimmt nur einen sehr kleinen Raum in unserer europäisch geprägten Wahrnehmung ein. Welchen Erfahrungsgewinn aus deiner Auseinandersetzung mit diesem Thema schätzt du am meisten oder würdest du am liebsten teilen?
Alexander Meckelburg: Zum Glück gibt es ja allerhand bedeutende Institute, die dem Eurozentrismus entgegenarbeiten. Es geht eben in meiner Dissertation auch einfach um Menschheitsgeschichte und insbesondere um Multi-Kulturalismus, interethnische Beziehungen und deren politische Steuerung. Wir sehen ja heute in Europa ‚Kultur‘ auch immanent mit politischen Herausforderungen verknüpft. Wie viel eigene Kultur darf heute ein Migrant in Deutschland haben, damit er nicht als zu einer Parallelgesellschaft gehörend verunglimpft wird? Äthiopien und viele afrikanische Länder sind in diesen Fragen oft viel weiter. Aber, und das zeigt eben meine Arbeit, Minderheitenschutz kann auch in Afrika eine große Herausforderung sein.
Arthur Höring
Alexander Meckelburg