Möglichkeiten der Förderung einzelner Dimensionen sozialer Kompetenzen im Kontext von Schule

Programmevaluation „Sozialtraining und Mobbingintervention – Systemisch denken und handeln“

Westfälische Wilhelms-Universität Münster

2019

Möglichkeiten der Förderung einzelner Dimensionen sozialer Kompetenzen im Kontext von Schule
Plush Design Studio/Unsplash
Schulen sind ein sozialer Bezugspunkt für Schülerinnen und Schüler. Daher ist es wichtig zu erörtern, mit welchen Fördermöglichkeiten sie die Entwicklung sozialer Kompetenzen unterstützen können.

Schlagworte

Schule, Schüler, Sozialkompetenz, Förderung, Evaluation

Zusammenfassung

Im Rahmen dieser Arbeit wird darauf eingegangen, welche Fördermöglichkeiten Schulen zur Unterstützung der Entwicklung sozialer Kompetenzen zur Verfügung stehen. Zunächst werden die Struktur sozialer Kompetenzen und deren Entwicklung über den Lebenslauf hinweg beschrieben, bevor ein Überblick über spezifische Trainingsmaßnahmen gegeben wird, allgemeine empirische Erkenntnisse zu deren Wirksamkeit aufbereitet sowie Methoden und Verfahren zur Erfassung sozialer Kompetenzen beschrieben werden. Ferner werden im empirischen Teil der Arbeit Ergebnisse der Evaluation von „Sozialtraining und Mobbingintervention – Systemisch denken und handeln“ ausführlich berichtet und diskutiert sowie Handlungsempfehlungen formuliert. Es werden daher auch die Besonderheiten von Evaluation im Bildungs- und Sozialwesen skizziert. Zudem erfolgt eine genaue Beschreibung der Trainingsmaßnahme selbst, ebenso wie eine Beschreibung des methodischen Vorgehens und der angewandten Analyseverfahren der Varianz- und Mehrebenenanalyse.

Anhang

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Interview mit Dr. Janine Linßer

Arthur Höring Arthur Höring

Gibt es grundlegende Unterschiede zwischen deiner wissenschaftlichen Perspektive auf soziale Kompetenz und einer vielleicht eher alltäglicheren Auffassung des Begriffes?

Janine Linßer Janine Linßer

Expertise

  • Sozialtraining mit Kindern und Jugendlichen
  • Schulsozialarbeit
  • Familienhilfe und Erziehungsbeistand

Interessant für

  • Sozialarbeiter*innen/ Pädagog*innen
  • alle mit Interesse an sozialer Kompetenzförderung
  • Befürworter*innen der sozialen Weiterbildung

Arthur Höring: Gibt es grundlegende Unterschiede zwischen deiner wissenschaftlichen Perspektive auf soziale Kompetenz und einer vielleicht eher alltäglicheren Auffassung des Begriffes?

Janine Linßer: Ja, definitiv. Im alltagssprachlichen Gebrauch wird soziale Kompetenz synonym mit prosozialem Verhalten verwendet. Eine Person gilt demnach als sozial kompetent, wenn sie sich anderen gegenüber prosozial verhält, beispielsweise ihrem Bürokollegen auch ein Bonbon anbietet, wenn sie sich selbst eins in den Mund steckt. Bei genauerer Betrachtung ist aber festzustellen, dass soziale Kompetenz noch viel mehr umfasst. Unter anderem nämlich auch die Fähigkeit Konflikte zu lösen oder andere Perspektiven zu übernehmen. Konsequenterweise sollte man also von sozialen Kompetenzen sprechen, die soziale Kompetenz gibt es nämlich nicht.

Arthur Höring: Zum empirischen Teil deiner Arbeit gehört auch die Auswertung eines Trainingsprogramms. Mit welcher Herangehensweise hast du versucht das Konzept von sozialen Kompetenzen greifbar und messbar zu machen? 

Janine Linßer: Zunächst einmal habe ich mich dem Konstrukt der sozialen Kompetenzen genähert, indem ich viel Literatur gesichtet, analysiert und verdichtet habe. Danach habe ich geschaut, welche sozialen Kompetenzen in dem von mir unter die Lupe genommenen Trainingsprogramm gefördert werden sollen, wie zum Beispiel die Facette Konfliktlösefähigkeit. Messbar gemacht habe ich das Ganze dadurch, dass ich Skalen eingesetzt habe, die bereits zuvor validiert und eingesetzt wurden. Auf die aufwändige Entwicklung eines neuen Instrumentes konnte ich glücklicherweise verzichten.

Arthur Höring: In deinem Plädoyer regst du eine Neubetrachtung der Kernaufgaben von Schule an. Was steht für dich im Zentrum dieser Neubetrachtung?

Janine Linßer: Im Zentrum steht für mich, Schule konsequent zu einem Ort zu entwickeln, an dem Leben und Lernen gleichermaßen ermöglicht und gefördert werden können. Mit einem nicht zu Ende gedachten Ganztagsmodell, in dem der Vormittag durch Lehrkräfte und der Nachmittag von Erzieher*innen unabhängig voneinander gestaltet wird, sollte Schluss sein. Schule als Haus ganzheitlichen Lebens und Lernens zu entwickeln, kann dann gelingen, wenn Lehrkräfte und Schulsozialarbeiter*innen, Erzieher*innen, Jugendarbeiter*innen, etc. wechselseitig und aufeinander bezogen den schulischen Alltag gemeinsam gestalten und nicht die einen vorranging den Vormittag füllen und dann den Schlüssel an die anderen übergeben, die dann die Nachmittagsgestaltung übernehmen.