Non-Standard Bird Names in England, Bavaria and Austria
A Diachronic Comparative Study
Universität Regensburg
2019
Der Vergleich von Vogelnamen birgt faszinierende Einsichten über vergangene sowie heutige Sprachentwicklung. Die Lautmalerei der Vogelrufe ist dabei nur einer von vielen linguistischen Ansatzpunkten.
Schlagworte
Vogelnamen, England, Bayern, Österreich, Dialektologie, Namenforschung, Semantik, Morphologie, Etymologie
Zusammenfassung
Diese aufwändige kontrastive Analyse von mehr als 3.000 Non-Standard-Bezeichnungen für Vögel beruht auf umfassender Quellenrecherche und Archivarbeit sowie den Ergebnissen einer umfangreichen und innovativen Online-Umfrage aus dem Jahr 2017 mit mehr als 1.100 Gewährspersonen aus England, Bayern und Österreich. Die Arbeit gibt Einblicke in morphologische, etymologische und semantische Aspekte eines ehemals breit gefächerten Wortfeldes, ergänzt durch synchrone Aspekte aus dem Bereich der Wahrnehmungsdialektologie.
Interview mit Dr. Kerstin Richter
Arthur Höring: Welche Aussagen über Sprachwandel lässt der Vergleich von Vogelnamen grob zusammengefasst zu?
Kerstin Richter: Noch bis vor ca. 150 Jahren war das Wortfeld der Vogelnamen sozusagen eine blühende Landschaft. Durch regionale Varianten konnte eine einzelne Vogelart allein z. B. in Bayern mehr als fünfzehn verschiedene Bezeichnungen tragen. Durch den Einfluss moderner Ornithologie und den Zugang zu vogelkundlicher Literatur für jedermann haben sich die lexikalischen Varietäten erheblich reduziert.
Arthur Höring: Würde man mich als Maßstab nehmen, wäre das Wissen der Alltagsbevölkerung rund um Vogelkunde vermutlich nicht besonders ausdifferenziert. In welcher Wechselwirkung stehen ornithologische Erkenntnisse und der gemeine Sprachgebrauch?
Kerstin Richter: Vogelbezeichnungen wurden früher meist innerhalb der Familie und am direkten Anschauungsobjekt weitergegeben. Das heißt im Prinzip, dass früher der Großvater dem Enkel z. B. beim Pilzesuchen erklärt hat, welcher Vogel da gerade singt. Mittlerweile haben verschiedene soziale und ökologische Einflussfaktoren die Verwendung regionaler Vogelbezeichnungen stark eingeschränkt. Heute fehlt es nicht nur an der Artenvielfalt, sondern oftmals auch an gemeinschaftlichen Erlebnissen in der freien Natur.
Arthur Höring: Gibt es nach der Vollendung deiner Dissertation eine Richtung, die du den zukünftigen sprachlichen Umgang mit Vogelnamen am liebsten einschlagen sehen würdest?
Kerstin Richter: Natürlich kann man nicht erwarten, dass sich ein bereits ausgestorbener Wortschatz wieder spontan regeneriert. Es hat sich aber auch gezeigt, dass unsere Sprache im Bereich der Vogelkunde durchaus weiterhin kreativ sein kann. Spontan fallen mir z. B. die erstmals erhobenen Bezeichnungen „Kasperlvogel“ bzw. im Englischen „Clownfinch“ für den Stieglitz ein, die dessen buntes Vogelkleid auf humorvolle Weise beschreiben. Meine Arbeit konserviert also nicht nur Vergangenes, sondern konnte auch Neues entdecken.
Arthur Höring
Kerstin Richter